Gottes Neue Offenbarungen

Die Haushaltung Gottes
Band 3

Die ersten Hochkulturen. Entartung und Untergang in der Sintflut

- Kapitel 90 -

Das Mahl bei Adam. König Lamechs an Adam gerichtete demuts- und ehrfurchtsvolle Rede. Adams gute Antwort

3.8.1843
In der geräumigen Hütte Adams angelangt, war von den Dienern Seths auch schon die Stärkung von den edelsten Früchten herbeigeschafft. Die Gäste ließen sich nach der freundschaftlichen Beheißung Adams alsbald auf den Boden zu den Körben nieder, lobten und dankten Gott und aßen dann ganz wohlgemut.
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Der Lamech aus der Tiefe aber war nur noch zu sehr von einer zu großen Achtung gegen Adam erfüllt, darum er denn auch nicht die Heiterkeit völlig zu teilen imstande war, die sich gar bald all der anderen Gemüter bemeistert hatte.
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Adam aber merkte solches gar bald und fragte darum den Lamech.
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Und der Lamech erwiderte: ,,Vater, du erster aller Menschen der Erde! Siehe, ich kann meiner übergroßen Ehrfurcht vor dir und all denen, die dich als deine ersten Kinder umgeben, nicht Meister werden!
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Der Gedanke: du bist der Vater Kahins, dessen Kinder und Kindeskinder alle samt und sämtlich schon lange gestorben sind, und diese - die Mutter von allen jetzt lebenden und nicht mehr lebenden Menschen! - erfüllt mein Gemüt mit stets steigender Ehrfurcht, und diese läßt mir nicht zu, so ganz ungebunden heiter zu sein, als da diejenigen es sind, die da an solche Erhabenheit sich entweder schon von Kindheit her gewöhnt haben, weil sie allzeit um dich, o Vater, waren, oder die - wenn sie auch von meinem Orte sind - aber dennoch zufolge ihrer noch starken Gemütsbeschränktheit solche Erhabenheit gar nicht in ihrer heiligen Tiefe genügend zu würdigen imstande s in d !
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Daher vergib mir, o Vater Adam, und du auch, allerehrwürdigste Mutter Eva, daß ich zufolge meines Gemütszustandes eben nicht so heiter sein kann, wie da sind die andern! Zudem sind alle andern noch nie Sünder gegen Gott und gegen dich gewesen; ich aber war, vor einigen Wochen noch, ein Ungeheuer der Ungeheuer, das zu seiner Besserung aus sich gar nichts, sondern alles nur die göttliche Erbarmung getan hatte.
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Siehe, aus diesem Grunde kann ich wohl auch mich nicht so völlig der Freude hingeben gleich denen, die, wie gesagt, vor dir noch vor Gott je gesündigt haben!"
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Hier unterbrach der Adam die Entschuldigung Lamechs und sagte zu ihm: ,,Höre, mein armer Sohn meines unglücklichen ersten Sohnes Kahin! Deine Äußerung ist mir überaus lieb, wert und teuer, und ich muß dir noch obendarauf bekennen, daß ich derlei Worte noch nie von meinen Kindern vernommen habe.
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Aber dessenungeachtet muß ich dir sagen, daß solche zu enorme Ehrfurcht vor mir, dem Erzvater der Menschen der Erde, ein wenig eitel ist; denn im Grunde bin ich denn doch auch nur ein Mensch gleich jedem andern! Ob geboren oder unmittelbar von Gott erschaffen, das ist gleich; denn auch der Geborene wird im Mutterleibe ebensogut von Gott erschaffen, wie ich außer einem Mutterleibe von Gott erschaffen wurde.
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Daß du ein Sünder warst, solches weiß jedermann auf der Höhe; daß du dich aber allgewaltigst gebessert hast durch die Gnade Gottes, solches wissen wir auch, und wie dir der Herr alles nachgelassen hat, wissen wir. Daher denn haben auch wir dir alles um des Herrn willen vergeben, und so magst du schon heiter und fröhlich sein mit uns!
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Iß und trink daher, und enthebe dich deiner Trübheit; denn ich habe dir noch sehr vieles zu zeigen hernach!"
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Diese Worte brachten unsern Lamech wieder zur Besinnung, und er ward darauf heiteren Mutes und konnte essen und trinken.

Fußnoten